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Von Sparneck in den Himalaya

Die Abenteuertouristin Simone Becher aus Sparneck kehrt begeistert nach ihrem Himalaya- Abenteuer zurück. In Begleitung von Guides und Pferden hat sie mehrere 5000er-Gipfel rund um das „Dach der Welt“ bezwungen. Die nächsten Ziele hat sie im Blick: Mont Blanc, Pakistan oder Bhutan.

Von Jan Werner (Quelle: Frankenpost v. 05.10.2022)

SPARNECK. Wie der Dichter Matthias Claudius schon wusste: „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Und je außergewöhnlicher eine Reise ist, desto spannender sind auch die Geschichten. Diese hat die sportbegeisterte Simone Becher aus Sparneck zu erzählen. Sie war über zwei Wochen im Norden Indiens unterwegs und hat dabei mehrere Gipfel im indischen Teil des Himalaya bezwungen. Mit ihren außergewöhnlichen Erfahrungen hofft Becher auch andere Menschen motivieren zu können, bei künftigen Reiseplanungen über den Tellerrand zu schauen.

Im Gegensatz zur 49-Jährigen würden wohl die wenigsten Menschen diese Reise als gewöhnlich bezeichnen: „Im Endeffekt war es eigentlich doch ein recht normaler Urlaub, da ich über zwei Wochen lang nicht selber kochen musste“, scherzt sie.

Berge sind ihre Passion: Im Winter fährt Simone Becher, die als Fachangestellte für Bäderbetriebe arbeitet, gemeinsam mit ihrem Mann und den Kindern zum Skifahren in die Berge, im Sommer geht sie wandern. Die „Spaghetti-Tour“ hat dann endgültig das Höhenfieber in ihr geweckt. Das ist eine Rundtour durch das Monte-Rosa-Massiv, das mit zehn Gipfeln über 4000 Metern zweithöchste Massiv der Alpen in der Schweiz. Schnell stand fest: Sie muss noch höher hinaus – und dafür raus aus Europa. Sie entschied sich kurzerhand für eine Trekkingreise zum höchsten Berg Russlands, dem gut 5600 Meter hohen Elbrus. Der Krieg in der Ukraine hat dann aber diese Pläne durchkreuzt.

Auf der Suche nach einer Alternative, bei der man in ähnliche Höhenlagen vorstößt, fand Becher ein Angebot für eine 19-tägige Indienreise. Und diese sollte sogar noch anspruchsvoller sein als die ursprünglich geplante Tour. Der höchste Punkt bei dieser Tour im indischen Teil des Himalaya-Gebirges übertrifft sogar den kaukasischen Gipfel um noch einmal gut 500 Höhenmeter. Nur wenig Zeit verstrich, dann war der Entschluss gefasst: „Diese Reise muss es sein.“ Ihr Mann Andreas hatte schon mit der Höhe in der Schweiz Probleme und sagte ab. Doch Simone Becher beschloss, es im Alleingang durchzuziehen, da sie nun die Möglichkeit sah, sich den Lebenstraum von der Himalaya-Reise unerhofft spontan zu erfüllen. „Man sollte solche Gelegenheiten nicht verstreichen lassen. Wer weiß, ob sie nochmals wiederkommen?“

Ganz alleine war sie aber nicht: Auf die sieben Mitreisenden kamen in der kleinen Gruppe sieben Begleiter und 15 Pferden. Zusammen bildeten sie eine Art Karawane. Jeder Hobby-Alpinist hatte 15 Kilogramm an Gepäck frei, das die Vierbeinern schleppten. Was darüber hinaus ging, musste man selbst tragen. „Man überlegt sich jedes Kilo im Rucksack in dieser Höhe.“

Simone Becher hoffte darauf,in der kleinen Gruppe auf Gleichgesinnte zu treffen.Dieser Wunsch wurde erfüllt: Mit einer bergbegeisterten Karlsruherin bildete sie eine Zeltgemeinschaft, mit der sie „sofort auf einer Wellenlänge“ war.

Erfahrungen mit Steigeisen sind Grundvoraussetzung für solche Trekkingtouren, um für die Gruppe nicht zur zusätzlichen Belastung zu werden. Körperlich musste sich die sportliche Frau nicht gesondert vorbereiten: „In meinem Arbeitsalltag im Schwimmbad werden es schon mal über 20 Kilometer pro Tag.“

Um das straffe Programm voll mitmachen zu können, muss aber der Körper mit der Höhe zurechtkommen. „Das kann man im Fichtelgebirge natürlich nicht trainieren“, scherzt Becher, die jedoch auch das Wandern in der Heimat schätzt. Jedes Jahr geht es mit Freunden auf die Zwölf-Gipfel-Tour.„Im nächsten Jahr machen wir sogar 13 Gipfel, denn wir haben noch einen gefunden.“ Sie möchte mit ihrer Leidenschaft fürs Wandern noch weitere Leute anstecken. „Aber es muss ja nicht gleich jeder in den Himalaya fliegen.“

Doch wer sich tatsächlich an diese Höhen wagt, der muss einige Tage zur Akklimatisierung einplanen.So ging es nach dem Flug von Frankfurt über Delhi nach Leh auf etwa 3500 Höhenmeter, um dort drei Tage lang bei Sightseeing den Organismus an die Höhe zu gewöhnen. Am fünften Tag folgte dann der erste Aufstieg auf über 4000 Meter – bei strömendem Regen. Doch für das Wetter wurde die Gruppe später mit einem Regenbogen entschädigt, was selbst für die Einheimischen ein besonderer Moment war. „Einer der Guides sagte zu mir, er habe in seinem Leben noch nie einen Regenbogen gesehen.“

Am nächsten Tag folgte der nächste Sprung nach oben: Der erste 5000er stand an. Dessen Name: unbekannt.„ Würden wir jeden Berg über 5000 Meter benennen, dann bräuchten wir hunderte Namen“, sagte ein junger Bergführer zu Simone Becher. Das erreichen dieser Schwelle war für die Europäerin doch ein ergreifender Moment: „Ich dachte einfach nur: Wow.“

Auf jeden Aufstieg folgte bei der Tour ein Abstieg. „Hoch steigen, tief schlafen“ lautet die Devise auch der Akklimatisierung wegen, um das Risiko, die Höhenkrankheit zu bekommen, klein zu halten.

Für die folgenden drei Tagen schlugen die Wanderer und ihre Begleiter auf dem Nimaling- Plateau ein Basislager auf, um von dort aus die höchsten Berge der Reise anzusteuern, die jeweils über 6000 Meter hoch sind. An den anderen Tagen erklang erst um halb sieben der Weckruf zwischen den Zelten und die Guides weckten die Touristen mit einem ersten Tee. An den Tagen, an denen es nach ganz oben gehen sollte, begann der Aufstieg um 1 Uhr nachts und bei -15 Grad.

Der erste 6000er, den die Gruppe bestiegen hat, trägt den Namen Regoni Mallai Ri. Das Erklimmen forderte selbst den erfahrenen Bergsteigern einiges ab, nicht alle in der Gruppe konnten alle Gipfel mitgehen. Simone Becher jedoch betont stolz, alle Herausforderungen gemeistert zu haben. Steigeisen, Eispickel und definitiv keinen Funken Höhenangst – für die 45-Grad- Steilwände musste jeder Schritt sitzen.

Während der insgesamt elf Tage Trekking hat die Sparneckerin jede Wanderung genossen,wie sie sagt. „Nach einem Passaufstieg kann das nächste Tal ganz anders aussehen“, schwärmt Becher über die Schönheit der Landschaft. „Und plötzlich befindet man sich mitten in einem Aquarellgemälde.“

Auch die Organisation und vor allem die Einheimischen, die die sieben Reisenden begleitet haben, lobt sie: „Der Koch hat jeden Tag unter diesen Bedingungen ein sagenhaftes Essen zubereitet.“ Ohne die ortskundigen Bergführer wäre man ohnehin aufgeschmissen, denn anders als man es von den Alpen gewohnt ist, seien hier die Wege nicht markiert. Ohne Massentourismus, den man in den vergangenen Jahren rund um das „Dach der Welt“ herum beobachten konnte, gäbe es auch keine Möglichkeit, sich an anderen Gruppen zu orientieren.

Zuweilen war Improvisation gefragt, wie etwa am letzten Tag der Reise, als im Camp plötzlich einige Pferde weggelaufen waren. „Zum Glück konnten die Guides Ersatz organisieren.“ In Erinnerung bleibt Dank des sensationellen Wetters aber nur Positives: Ein Höhepunkt sei dann noch der letzte Abstieg über einen geschotterten Hang gewesen, den sie „quasi hinuntergesurft“ sind. „Irgendwann fehlt dann fast ein wenig der Kick,wenn man mehrere 6000er-Gipfel bezwungen hat – und spätestens beim Abstieg überwiegt dann die Demut“, blickt sie wehmütig zurück.

Eines ist der Sparneckerin neben den Eindrücken von „Natur pur in über 5000 Metern“ noch sehr präsent: „Die Einheimischen sind sich dieses Schatzes hier sehr bewusst.Sie sorgen dafür,dass diese Schönheit erhalten bleibt. Außerdem sind alle so herzlich und hilfsbereit.“

Nach dem Abstieg und dem Abschied von den Begleitern in der kleinen Siedlung Lato ging es zurück ins Hotel nach Leh. Danach ging die Reise noch ein paar Tage durch die deutlich heißeren Großstädte im Norden Indiens weiter. Ein letzter Höhepunkt, trotz aller Erschöpfung, war der Besuch des Taj Mahal in Agra, ehe es zurück nach Deutschland ging. Mit im Gepäck: sensationelle Fotos und noch mehr persönliche Eindrücke. „Einige Tage lang war ich noch wie auf einer Wolke. Aber nach zwei, drei Wochen hat es mich wieder gereizt und die Suche nach neuen Zielen ging los.“

Das nächste Ziel steht schon fest: „Im nächsten Jahr steht der Mont Blanc an – dann auch wieder mit meinem Mann.“ Im Anschluss könnte es sogar noch höher hinaus gehen: „Ich recherchiere schon nach Möglichkeiten die 7000-Meter-Marke zu knacken – vielleicht wird es Pakistan oder Bhutan.“ Und die Hoffnung, dass es die Situation irgendwann wieder zulässt, die Elbrus-Tour noch nachzuholen, hat die optimistische Abenteurerin nicht aufgegeben.

 

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